Podologie-Fachzeitschrift-HEader

DFS: Zwei Minuten für den Fuß

Wie können digitale Anwendungen Menschen mit diabetischem Fußsyndrom im Alltag unterstützen? Beim 22. Nationalen Treffen der Netzwerke Diabetischer Fuß in Berlin ging es unter anderem um Apps, Sensorik und künstliche Intelligenz – und darum, wie daraus Lösungen entstehen, die tatsächlich genutzt werden.

Verdrängen ist keine Nachlässigkeit, sondern eine erwartbare Reaktion von Menschen mit diabetischem Fußsyndrom (DFS) – diese These stellte Tagungsleiter Dr. Dirk Hochlenert, Internist und Diabetologe aus Köln, an den Anfang seines Vortrags. Menschen mit Diabetes müssen ihrer Erkrankung ohnehin viel Aufmerksamkeit widmen. Beim DFS kommt hinzu, dass häufig zwischen zwei Rezidiven lange Zeit nichts passiert. Die Herausforderung: den Fuß trotzdem im Blick zu behalten.

Unterstützung bietet die Android-App FootMonitor, an deren Konzeption und Entwicklung Dr. Hochlenert beteiligt ist. Sie soll mit einem „Aufmerksamkeitsbudget“ von ein bis zwei Minuten täglich auskommen. Die Frage „Haben Sie zwei Minuten Aufmerksamkeit pro Tag für Ihren Fuß übrig?“ dient dabei der Sondierung: Wer sie mit Ja beantwortet, bringt eine wesentliche Voraussetzung für die Nutzung der App mit. Um innerhalb der kurzen Zeit so viele Daten wie möglich zu erfassen, setzen die Entwickler der App auf Automatisierung.

Ausreißer erkennen

Ein Baustein zur automatischen Datenerfassung ist die Schrittzahl als Maß für die Belastung. Anders als bei klassischen Fitness-Apps geht es jedoch nicht darum, zu mehr Bewegung anzuspornen. Relevant sind vielmehr Ausreißertage, an denen die übliche Belastung deutlich überschritten wird. Erfahrungen zufolge geht damit ein erhöhtes Risiko für Ulzerationen einher.

Weitere Funktionen beziehen die Haut, ihre Reaktion auf Belastung und den Schutz des Fußes ein. Die App leitet dazu an, beide Fußsohlen zu fotografieren und erinnert täglich daran. Die Aufnahmen werden ausschließlich in der App gespeichert und können regelmäßig betrachtet werden, um Veränderungen wahrzunehmen. Zudem lassen sich Temperaturmessungen integrieren, die Hinweise auf eine Stressreaktion liefern. Kleine Sender mit Beschleunigungssensor in den Schuhen ermöglichen die Zuordnung der Schritte zum getragenen Schuhwerk. So lässt sich beispielsweise erkennen, welcher Anteil der Schritte in zuvor als geeignet eingestuften Schuhen zurückgelegt wurde.

Dabei ist FootMonitor bewusst kein Medizinprodukt. Die Anwendung soll vielmehr die Selbstbeobachtung unterstützen. Gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein wird derzeit untersucht, welche Bedürfnisse und Ressourcen unterschiedliche Patientengruppen haben und wie sich die Anwendung daran anpassen lässt.

Sensorik trifft künstliche Intelligenz

Prof. Dr.-Ing. Hubert Otten von der Hochschule Niederrhein stellte einen weiteren Ansatz vor. In einem Forschungsprojekt wurden Sensoren zur Erfassung des Drucks am Fuß eingesetzt. Überschritt der Druck einen festgelegten Wert, erhielten die Betroffenen einen Alarm auf der Smartwatch. Der Alarm ersetzte damit den fehlenden Schmerzreiz – die Betroffenen konnten den Fuß entlasten. In der Kontrollgruppe wurde der Druck ebenfalls erfasst, jedoch ohne Warnsignal. Die Wunden schlossen sich in der Interventionsgruppe signifikant schneller.

In einem Folgeprojekt kam künstliche Intelligenz hinzu. Sie verarbeitete nicht nur Druck- und Temperaturdaten, sondern unter anderem auch Patientendaten, Expertenwissen sowie Angaben und Fotos zu den Wunden. Eingesetzt wurde sie beispielsweise zur Wundbewertung, zur Bestimmung des nächsten Verbandswechsels und zur Prognose des Wundverschlusses. Die Sensorik wird derzeit unter anderem in Richtung eines „Smart Patch“, eines intelligenten Verbandes, weiterentwickelt.

Dass das Thema in der Praxis auf Interesse stößt, zeigte auch die anschließende Diskussion. Dr. Hochlenert warb ausdrücklich darum, FootMonitor zu erproben und Erfahrungen in die weitere Entwicklung einfließen zu lassen.

Sie interessieren sich für weitere Entwicklungen rund um die Versorgung des diabetischen Fußes? Mit unserem Newsletter erhalten Sie regelmäßig Fachinformationen und Nachrichten aus der Branche.

Abbildung: Screenshots der App FootMonitor

Weitere Beiträge

Probiotisches Fußspray gegen Fußgeruch

Probiotisches Fußspray gegen Fußgeruch

Heidis Best hat ein probiotisches Fußspray gegen unangenehmen Fußgeruch entwickelt. Statt den Geruch mit Duftstoffen zu überdecken, setzt das Produkt auf Milchsäurebakterien, die zunächst in trockener Form vorliegen und durch...

mehr lesen...
peclavus: Fünf neue Fußschäume

peclavus: Fünf neue Fußschäume

HELLMUT RUCK erweitert sein peclavus-Sortiment um fünf Fußschäume für unterschiedliche Hautbedürfnisse. Gleichzeitig werden die Serien PODOcare, PODOdiabetic, PODOmed und kids auf ein neues Verpackungsdesign umgestellt. Damit...

mehr lesen...