Bochum (pm). Das WIR Walk In Ruhr – Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin legt allen aus Gesundheitsberufen ans Herz, HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen auch in
Corona-Zeiten nicht aus dem Blick zu verlieren. Der 1. Dezember ist der Welt-AIDS-Tag, an dem es um die Prävention, Solidarität und den wertschätzenden, unterstützenden Umgang mit Patient*innen geht.

In der aktuellen Corona-Pandemie dürfen Präventions-, Test- und Behandlungsangebote nicht vernachlässigt werden, betont das Team des WIR Walk In Ruhr. Auch die Forschung im Bereich der HIV-Medikamente muss konsequent vorangetrieben werden. In der aktuellen Pandemie werden Arztbesuche aus Angst vor einer möglichen Ansteckung mit COVID-19 weniger häufig wahrgenommen als sonst, teils ersatzlos gestrichen. Dies betrifft auch zahlreiche präventive Angebote: So berichten HIV-Schwerpunktbehandler in Deutschland, dass die Nachfrage nach der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), die bei besonders gefährdeten Personen der Infektion mit HIV vorbeugen kann, seit Beginn der Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2 deutlich gesunken sei.

96% nicht ansteckend

Krankenkassen und Ärzteverbände mahnen bereits an, Vorsorgeuntersuchungen, Tests auf HIV und andere
STI (sexuell übertragbare Infektionen) unbedingt wahrzunehmen und nicht aufzuschieben. Das WIR Walk In Ruhr in Bochum hat, um diesen Trend zu brechen, gezielt Patient*innen und Klient*innen angesprochen und eingeladen, dies mit Erfolg.

Problematisch bleiben HIV-Spätdiagnosen, im Jahr 2019 etwa 30% (15% bereits im AIDS-Stadium). Zu hoffen ist, dass die zurückhaltenden Arztbesuche während der Corona-Pandemie nicht zu einer Steigerung der Spätdiagnosen führen — nicht diagnostizierte HIV-Infektionen führen potenziell zu Neuinfektionen. Früh erkannt ist die HIV-Infektion gut behandelbar.

Wichtig zu wissen, auch für podologische Behandlungen oder wenn es um die Einstellung neuer Kolleg*innen geht: Erfolgreich therapiert ist HIV auch bei intensivem Körperkontakt nicht mehr ansteckend. In Deutschland werden 96% der behandelten Patienten so erfolgreich therapiert, dass das auf sie zutrifft.

Längst kein Todesurteil mehr

Dabei sollte aus Public Health-Perspektive auch nicht vergessen werden, dass – auch in Deutschland – Menschen mit dem HI-Virus leben, die keinen Zugang zu einer regulären medizinischen Versorgung haben. HIV-Medikamente sollten daher für alle, auch für Menschen ohne Krankenversicherung und für nicht registrierte Menschen, zugänglich sein.

Als wichtigste Botschaft des Welt-AIDS-Tages gilt: Kein Stigma! HIV und AIDS sind zwar (noch) nicht heilbar, aber die Diagnose HIV ist längst kein Todesurteil mehr. Frühzeitig diagnostiziert und bei guter Behandlung sind Menschen mit HIV nicht ansteckend. Die Erfolgsbotschaft ,,Therapie ist Prävention (treatment as prevention)” muss noch bekannter werden, damit bestehende Diskriminierungen von Menschen mit HIV und AIDS endgültig abgebaut werden.

Grafik: Gerd Altmann, Pixabay

Über das WIR
Als institutionsübergreifende Einrichtung bringt das Walk In Ruhr (WIR) – Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin Beratung, Information, medizinische Behandlung, Prävention, Psychotherapie und Selbsthilfe im Bereich Sexueller Gesundheit unter einem Dach zusammen. Das ist bislang einmalig in Deutschland und ermöglicht eine bedarfsgerechte, breite und nachhaltige Versorgung, die auf die spezifischen Bedürfnisse der Patient*innen und Ratsuchenden abgestimmt werden kann. Das Walk In Ruhr (WIR) hat im Frühjahr 2016 in zentraler Lage in Bochum eröffnet. (www.walk-ruhr.de)