Die Behandlung von Wunden am Fuß ist komplex. Besonders bei Menschen mit Diabetes spielen Druckbelastung, Durchblutung und Infektionsrisiko eine wichtige Rolle. Aktuelle Studienergebnisse geben Einblick in neue und bewährte Ansätze der Wundversorgung.
Wie sich die plantare Belastung vor der Entstehung eines diabetischen Fußulkus entwickelt, wurde 2026 in einer prospektiven Studie untersucht. 46 Menschen mit diabetischer peripherer Neuropathie und vorausgegangenem Ulkus am Fuß trugen bis zu 18 Monate lang spezielle Einlegesohlen, die den plantaren Druck bei Belastung kontinuierlich erfassten. Zwölf Füße entwickelten im Verlauf ein neues Ulkus – jeweils im Vorfußbereich. In den drei Monaten vor der Ulzeration wurden dort mehr Minuten mit anhaltend hohem plantarem Druck und häufiger entsprechende Belastungsphasen registriert als bei Füßen, die ulkusfrei blieben.[1]
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass nicht allein punktuelle Druckmessungen relevant sind. Auch die Dauer und Häufigkeit erhöhter Belastungen im Alltag könnten dazu beitragen, gefährdete Bereiche frühzeitig zu erkennen.
Für Entlastung sorgen
Druckentlastung gehört zu den wichtigsten Bausteinen bei der Behandlung diabetischer Fußulzera. Wie unterschiedlich sie im klinischen Alltag umgesetzt wird, zeigen die Ergebnisse einer 2025 veröffentlichten niederländischen Studie mit 235 Patientinnen und Patienten mit plantaren Ulzera.[2] Zur Entlastung kamen am häufigsten Filzpolsterungen zum Einsatz, gefolgt von orthopädischen Schuhen und Verbandsschuhen. Nur drei Prozent der Betroffenen wurden mit einem Total Contact Cast behandelt.
Nach zwölf Wochen waren 33 Prozent der Ulzera abgeheilt, nach 20 Wochen 51,5 Prozent und nach einem Jahr 77 Prozent. Zwischen den verschiedenen Entlastungsverfahren zeigte sich nach zwölf Wochen kein signifikanter Unterschied. Allerdings unterschieden sich die Patientengruppen: In den Gruppen mit Verbandsschuhen und Filzpolsterungen wurden häufiger komplexere Ulzera behandelt als in den übrigen Entlastungsgruppen.
Die Ergebnisse zeigen damit weniger, welches Verfahren „am besten geeignet“ ist, als vielmehr, wie stark die Wahl der Entlastung im Versorgungsalltag vom Ulkusbefund, patientenbezogenen und praktischen Faktoren abhängt. Aktuelle IWGDF-Leitlinien empfehlen bei neuropathischen plantaren Vor- oder Mittelfußulzera weiterhin nicht abnehmbare kniehohe Entlastungssysteme als erste Wahl.[3]
Mehr zum Wundmanagement
Weitere Ansätze wie die Therapie mit kaltem atmosphärischem Plasma werden derzeit ebenfalls untersucht und könnten künftig zusätzliche Möglichkeiten im Wundmanagement eröffnen. Wie Wunden am Fuß in der podologischen Praxis eingeschätzt und begleitet werden können, wo die Grenzen der eigenen Tätigkeit liegen und welche Rolle die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen spielt, lesen Sie in den Beiträgen auf den Seiten 32 bis 39 im exklusiven Fachteil der Ausgabe 11/2026 der Zeitschrift Podologie.
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Literaturverzeichnis
[1] Chatwin KE, Abbott CA, Rajbhandari SM, Orlando G, Bowling FL, Boulton AJM, Reeves ND. How much pressure causes a diabetic foot ulcer? An 18-month prospective study investigating plantar pressure characteristics in the lead up to ulceration. Diabetes Res Clin Pract. 2026 Jul;237:113293. doi: 10.1016/j.diabres.2026.113293.
[2] Rumanes A, van Netten JJ, Hutting KH, van Gemert-Pijnen LJEWC, van Baal JG. Offloading Strategies Used for Plantar Diabetic Foot Ulcers and Their Outcomes in Real-Life Clinical Practice. J Clin Med. 2025 May 29;14(11):3834. doi: 10.3390/jcm14113834.
[3] Bus SA, Armstrong DG, Crews RT, Gooday C, Jarl G, Kirketerp-Moller K, Viswanathan V, Lazzarini PA. Guidelines on offloading foot ulcers in persons with diabetes (IWGDF 2023 update). Diabetes Metab Res Rev. 2024 Mar;40(3). doi: 10.1002/dmrr.3647.
Abbildung: KI-generiert








