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Anamnese und Diagnostik in der Podologie

Erweiterte Indikationen und die Einbindung neuer Krankheitsbilder wie Diabetes, sensomotorische Neuropathien oder schwere Nagelschäden sowie die Nutzung digitaler Kommunikationssysteme haben der Podologie in den letzten Jahren zu einem Qualitätsschub verholfen. Über die Auswirkungen auf Anamnese, Diagnostik und weitere Aspekte sprachen wir mit der Berliner Podologin Beatrix Negel-Riegel.

Frau Negel-Riegel, was ist aus Ihrer Sicht bei der podologischen Anamnese und Diagnostik besonders wichtig?

Zunächst ist der Sichtbefund entscheidend, also das, was ich als Podologin mit eigenen Augen sehe. Um die Nagelstruktur und den Zustand der Nägel noch genauer beurteilen zu können, nutze ich unterstützend eine kleine Stabtaschenlampe. Auch ein Dermatoskop, eine Lichtlupe, wie sie Dermatologen verwenden, kann hilfreich sein. Mit dieser lässt sich der Nagel von unten durchleuchten und das Nagelbett besser darstellen, was bei der Befunderhebung von großem Nutzen ist.

Unverzichtbar ist außerdem der klassische Sensibilitätstest, der als Goldstandard in der Diagnostik der Polyneuropathie gilt. Wir führen ihn weiterhin mit Stimmgabel und Monofilament durch. Ebenso überprüfen wir die Funktion der Gelenke: Hat das Gelenk noch einen normalen Bewegungsradius, oder ist dieser bereits durch eine Grunderkrankung eingeschränkt? Zusätzlich zur visuellen Begutachtung kann ein Goniometer, ein Winkelmesser, eingesetzt werden. Mit ihm lässt sich feststellen, wie viele Grad ein Gelenk von seiner Nullposition aus
noch beweglich ist.

Darüber hinaus gibt es Blaulichtlampen, mit denen Veränderungen der Nagelstruktur besser erkannt und eingestuft werden können, etwa bei Nagelmykosen. Auch der Zustand der Fußhaut, ihre Feuchtigkeit oder Trockenheit, lässt sich mithilfe von UV-Licht noch besser darstellen. Persönlich verlasse ich mich aber meist auf bewährte Methoden, etwa den Sensibilitätstest zur Überprüfung der Nervenfunktion und das Ertasten der Fußpulse – manchmal unterstützt durch ein Taschen-Dopplergerät, um die arterielle Durchblutung zu kontrollieren. Bewegungseinschränkungen, seien sie muskulär bedingt oder Folge versteifter Gelenke, lassen sich so ebenfalls schnell erfassen.

Wie erfassen Sie das im Rahmen der Anamnese stattfindende Erstgespräch?

Während des Gesprächs mache ich mir Notizen, die ich später in digitale Masken übertrage. Am Bildschirm zu scrollen würde mich stören und das Gespräch beeinträchtigen. Es gibt inzwischen Künstliche Intelligenz, eine Art „Alexa“ für den medizinischen Bereich, die beim Gespräch mithört, medizinisch relevante Daten herausfiltert und protokolliert. Diese Technik ist vermutlich teuer, und die Daten müssen dennoch verwaltet und weiterverarbeitet werden, was zusätzlichen Aufwand bedeutet. Ich persönlich fände eine App auf meinem Handy sehr praktisch, bei der ich lediglich einen Button drücken müsste, und das Anamnesegespräch würde automatisch digital in die Patientenakte eingefügt. So weit sind wir leider noch nicht, aber ich bin überzeugt, dass dies kommen wird.

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Foto: stock.adobe.com / lbfotografia

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