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Preiskalkulation in der podologischen Praxis

Steigende Kosten, feste Kassensätze und unsichere Rahmenbedingungen: Die Preiskalkulation wird immer anspruchsvoller. Warum die angekündigte Vergütungserhöhung zum Juli 2026 nur ein Teil der Lösung ist – und worauf es bei wirtschaftlich tragfähigen Preisen wirklich ankommt.

Die Preisgestaltung in der podologischen Praxis ist ein Thema, das im Alltag oft mitläuft – und dabei erstaunlich selten systematisch betrachtet wird. Zwischen festen Vergütungssätzen der gesetzlichen Krankenkassen und frei kalkulierbaren Privatleistungen entsteht ein Spannungsfeld, das sowohl Chancen als auch Risiken birgt.

Wer hier nur nach Gefühl kalkuliert, läuft schnell Gefahr, unter Wert zu arbeiten. Dabei ist Preiskalkulation keine theoretische Übung, sondern eine ganz praktische Frage: Rechnet sich meine Arbeit – oder nicht?

Preise im Wandel

Ein aktueller Blick auf die Vergütungssituation zeigt: Es bewegt sich etwas. Die Preise für podologische Leistungen auf Heilmittelverordnung wurden zum 1. Juli 2025 angehoben, und eine weitere Anpassung ist bereits vereinbart.

Laut Vergütungsanlage des GKV-Spitzenverbands steigen die Preise zum 1. Juli 2026 erneut – beispielsweise von derzeit 50,55 Euro auf 51,92 Euro für die große podologische Behandlung.

Diese Anpassung ist Teil einer zweistufigen Vereinbarung und gilt nach aktuellem Stand als verbindlich. Gleichzeitig wäre es zu kurz gedacht, daraus eine langfristige Planungssicherheit abzuleiten. Denn parallel laufen gesundheitspolitische Diskussionen über die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung sowie strukturelle Reformen im Heilmittelbereich. Für podologische Praxen bedeutet das: Die aktuellen Preissteigerungen bringen kurzfristig Entlastung – die Rahmenbedingungen bleiben dennoch in Bewegung.

Kassensatz ist nicht Kalkulation

So hilfreich feste Vergütungssätze auch sind – sie sind kein Maßstab für die Wirtschaftlichkeit einer Praxis. Kassensätze entstehen in Verhandlungen und bilden Durchschnittswerte ab. Sie berücksichtigen jedoch weder individuelle Kostenstrukturen noch regionale Besonderheiten.

Ein häufiger Fehler besteht darin, diese Preise unbewusst als Referenz für alle Leistungen zu übernehmen. Das führt dazu, dass auch Privatpreise zu niedrig angesetzt werden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das problematisch: Wer unterhalb seiner tatsächlichen Kosten kalkuliert, arbeitet langfristig defizitär.

Was kostet die Behandlung?

Wer eine fundierte Preisgestaltung anstrebt, benötigt einen guten Überblick über die eigenen Kosten. Neben Miete, Material und Gerätekosten spielt vor allem ein Faktor eine zentrale Rolle: die Arbeitszeit. Diese beschränkt sich nicht allein auf die Behandlungszeit. Auch Vorbereitung, Dokumentation, Hygienemaßnahmen (deren Anforderungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind), Terminmanagement und organisatorische Abläufe kosten wertvolle Zeit. Diese ist ebenso einzukalkulieren wie Ausfallzeiten durch kurzfristige Absagen und Zeit, die in Weiterbildungen investiert wird.


Qualifizierte Arbeitszeit ist demnach der entscheidende Kostenfaktor in der Podologie. Darum sollte der notwendige Stundenumsatz im Mittelpunkt stehen – für Praxisinhaberinnen und -inhaber ebenso wie für Personal. Die zentrale
Frage lautet: Welchen Umsatz muss eine Arbeitsstunde erwirtschaften, damit die Praxis wirtschaftlich arbeitet? Wer diesen Wert kennt, kann seine Preise realistisch einordnen – und erkennt schnell, ob das aktuelle Preisniveau tragfähig ist.

Privatpreise kalkulieren

Im Bereich der Privatleistungen besteht unternehmerische Freiheit: Es gibt keine verbindliche Gebührenordnung. Praxen können ihre Preise selbst festlegen – müssen sich dabei jedoch am ortsüblichen Niveau orientieren.

In vielen Regionen zeigt sich, dass Privatpreise für podologische Behandlungen deutlich über den Kassensätzen liegen. Das ist kein Zeichen überhöhter Preise, sondern in der Regel Ausdruck realistischer Kalkulation. Entscheidend ist, dass Preise nicht willkürlich entstehen, sondern nachvollziehbar hergeleitet werden.

Preise aktiv anpassen

Die angekündigte Vergütungserhöhung kann für viele Praxen ein sinnvoller Anlass sein, die eigene Preisstruktur insgesamt zu überprüfen. Denn häufig bleiben Privatpreise über Jahre unverändert, während Kosten kontinuierlich steigen.

Wer seine Kalkulation ohnehin überarbeitet, sollte daher nicht nur auf Kassensätze reagieren, sondern auch die eigenen Selbstzahlerpreise kritisch hinterfragen. Ziel ist keine kurzfristige Anpassung, sondern ein stimmiges und langfristig tragfähiges Preisniveau.

„Das zahlt keiner“

Ein Satz, der in vielen Praxen fällt – und der einer genaueren Betrachtung oft nicht standhält. Die Wahl der Praxis entscheidet sich nicht ausschließlich nach dem Preis. Faktoren wie Fachkompetenz, Hygiene, Zeit für Beratung und das persönliche Vertrauensverhältnis spielen eine große Rolle.

Gerade in der Podologie, wo medizinische Notwendigkeit und individuelle Betreuung eng zusammenhängen, ist die Zahlungsbereitschaft häufig höher als erwartet. Voraussetzung ist allerdings, dass der Wert der Leistung auch vermittelt wird.


Preise gut kommunizieren

Leistung sichtbar machen

Preise sind besser nachvollziehbar, wenn klar wird, was dazugehört – beispielsweise Zeit, Hygiene und Qualifikation.

Klar und ruhig bleiben

Preise sollten selbstverständlich kommuniziert werden – ohne Rechtfertigungsdruck.

Vergleiche vermeiden

Der Fokus liegt auf der eigenen Leistung, nicht auf anderen Praxen.

Struktur schaffen

Eine transparente Preisliste gibt Orientierung und stärkt Vertrauen.

Konstanz zeigen

Durchdachte, stabile Preise wirken professioneller als häufige Anpassungen.


Auslastung nutzen

iele Praxen arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze – bei gleichzeitig moderaten Preisen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das eine schwierige Kombination. Hohe Nachfrage bei niedrigen Preisen bedeutet, dass vorhandenes Potenzial nicht ausgeschöpft wird.

Eine angepasste Preisstrategie kann hier sogar entlastend wirken. Leicht steigende Preise führen nicht zwangsläufig zu leeren Wartezimmern, verbessern aber die Wirtschaftlichkeit pro Behandlung. Das Ergebnis ist oft eine stabilere Gesamtsituation – sowohl finanziell als auch organisatorisch.

Rechnen lohnt sich

Preiskalkulation in der Podologie ist kein einmaliger Schritt, sondern ein fortlaufender Prozess. Wer seine Kosten kennt, realistisch plant und den eigenen Stundenumsatz im Blick behält, schafft die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg.

Die zum 1. Juli 2026 vereinbarte Vergütungserhöhung zeigt zwar, dass sich auch auf Kassenseite etwas bewegt. Sie ersetzt jedoch keine individuelle Kalkulation. Die entscheidende Referenz bleibt die eigene Praxis.

In einem Markt mit hoher Nachfrage und begrenzter Verfügbarkeit an Fachkräften ist eine selbstbewusste Preisgestaltung kein Risiko, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Dieser Beitrag erschien in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Podologie.

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