Menschen mit Diabetes sind heute deutlich besser über die Risiken des diabetischen Fußsyndroms informiert als noch vor wenigen Jahren. Dennoch gehen in der Versorgung weiterhin wichtige Präventionspotenziale verloren. Der neue GEHWOL Diabetes Report 2025–2026 (Eduard Gerlach) zeigt: Erfolgreiche Prävention gelingt vor allem dann, wenn alle Beteiligten eng zusammenarbeiten.
Diabetischer Fuß: Prävention gelingt nur gemeinsam
Der aktuelle GEHWOL Diabetes Report macht deutlich, dass die Prävention des diabetischen Fußsyndroms (DFS) zwar stärker im Bewusstsein angekommen ist, im Alltag jedoch weiterhin strukturelle Hürden bestehen. Für die aktuelle Ausgabe wurden erstmals nicht nur Menschen mit Diabetes sowie Ärztinnen und Ärzte, sondern auch Podologinnen und Podologen befragt.
Die Ergebnisse zeigen klar: Prävention funktioniert am besten dort, wo Fachkreise abgestimmt handeln, Betroffene verständlich begleiten und die Zusammenarbeit durch funktionierende Strukturen unterstützt wird.
Kommunikation bleibt der Schlüssel
Besonders wichtig ist die Rolle der Fachkreise bei der Aufklärung der Betroffenen. Fachkräfte aus Podologie und Medizin, insbesondere aus der Diabetologie, gelten als wichtige Orientierungspartner im Alltag von Menschen mit Diabetes. Viele Präventionsmaßnahmen werden erst umgesetzt, wenn Risiken verständlich erklärt und konkrete Handlungsempfehlungen gegeben werden.
Auch die Ärzteschaft sieht Kommunikation als zentralen Erfolgsfaktor:
- 70 Prozent nennen ein gutes Vertrauensverhältnis als wichtigste Grundlage,
- 65 Prozent betonen verständliche Kommunikation,
- 58 Prozent sehen klare Zielvereinbarungen als entscheidend für eine nachhaltige Prävention.
Strukturelle Hürden erschweren Prävention
Sowohl medizinisch als auch podologisch Tätige erleben Prävention im Alltag zunehmend als organisatorische Herausforderung. Hohe Arbeitsbelastung, bürokratische Anforderungen und begrenzte Ressourcen erschweren eine konsequente Betreuung von Menschen mit erhöhtem Risiko für ein diabetisches Fußsyndrom.
Zwar existieren bereits regionale Netzwerke und Disease-Management-Programme, diese sind jedoch noch nicht flächendeckend etabliert. Gerade Podologinnen und Podologen berichten von erheblichem Dokumentationsaufwand. Viele wären grundsätzlich offen für eine stärkere Vernetzung, wenn bürokratische Hürden reduziert würden.
Podologie wird noch zu selten genutzt
Besonders deutlich fällt die Bewertung der Podologie aus. 87 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte sehen podologische Leistungen als wichtigen Bestandteil der Prävention des diabetischen Fußsyndroms. Gleichzeitig erhalten bislang nur rund 37 Prozent der Betroffenen tatsächlich podologische Versorgung.
Auch aus Patientensicht besteht großes Potenzial:
60 Prozent der Betroffenen würden podologische Leistungen häufiger in Anspruch nehmen, wenn die Kosten vollständig übernommen würden.
Der Report sieht hier einen wichtigen Ansatzpunkt für frühzeitige Prävention – noch bevor schwerwiegende Komplikationen entstehen.
Motivation im Alltag bleibt entscheidend
Obwohl viele Menschen mit Diabetes ihre Fußgesundheit ernst nehmen, zeigt der Report auch Grenzen der Prävention im Alltag auf. Fehlende Motivation, eingeschliffene Routinen und ausbleibende unmittelbare Erfolge erschweren langfristige Veränderungen.
Besonders wirksam sind laut Befragung sichtbare Pflegeerfolge sowie motivierende Begleitung durch Fachpersonal. Patientinnen und Patienten wünschen sich vor allem verständliche Anleitung und realistische Ziele.
Fazit
Der GEHWOL Diabetes Report 2025–2026 macht deutlich: Prävention des diabetischen Fußsyndroms ist keine Aufgabe einzelner Berufsgruppen. Erfolgreiche Versorgung entsteht dort, wo Fachkräfte aus Medizin, Podologie und Orthopädieschuhtechnik gemeinsam mit den Betroffenen handeln.
Weiterführende Informationen
Der vollständige GEHWOL Diabetes Report 2025–2026 steht als kostenfreies Whitepaper zum Download zur Verfügung:
Abbildung: GEHWOL









