Fußdeformationen wie Knick-, Senk-, Spreizfüße entstehen meist durch das Tragen von falschem Schuhwerk im Alltag – rund 70 Prozent der Deutschen haben beispielsweise einen Knickfuß. Denn anders als unsere Vorfahren, die auf weichen wie harten Böden mit nackten Füßen liefen, gehen wir nur noch sehr selten barfuß. Genau das aber bemängeln Fußexperten und raten, öfter mal auf Schuhe zu verzichten.
Barfuß am Strand oder über eine Wiese laufen – Bilder wie diese wecken die Vorstellung von Freiheit, Naturverbundenheit, Unbeschwertheit. Zu Recht: Für unsere Füße bedeutet Wohlbefinden, nicht in enges Schuhwerk gesperrt zu sein, das einerseits zwar schützt, zugleich aber die Bewegungsfreiheit der Zehen stark einschränkt und diese oft in unnatürliche Stellungen zwingt.
Millionen Jahre liefen die Vorfahren des modernen Menschen barfuß, bis der Homo Sapiens vor rund 40.000 Jahren begann, einfache Fußbekleidung herzustellen. Dies beweisen archäologische Funde. Sinn des archaischen Schuhwerks war es damals wie heute, die Füße vor Kälte und Verletzungen zu schützen. Zudem bewegte man sich mit „gepanzerten“ und somit unempfindlicheren Füßen besonders auf unwegsamem Gelände viel schneller.
Doch die neue „Unberührbarkeit“ der Füße brachte auch neue Probleme:
Durch Schuhsohlen hermetisch vom Boden abgeschirmt, werden die Fußsohlen kaum noch stimuliert und empfangen keine haptischen Signale und Informationen mehr – der Tastsinn unserer Füße verkümmert. Und nicht nur der, auch die Muskulatur der Füße erschlafft mangels Training, denn praktisch jeder Schuh beengt den Fuß mehr oder weniger und behindert das natürliche Abrollen der Füße.
„Evolutionsbiologisch gesehen vergewaltigen wir unsere Füße erst kurze Zeit durch das Tragen von Schuhen“, sagtMartin Engelhardt, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie am Klinikum Osnabrück unter Anspielung auf die viel längere Epoche schuhlosen Gehens. Die zahlreichen kleinen und großen Fußmuskeln, so der Experte, würden dadurch kaum noch beansprucht, was zu den bekannten und weit verbreiteten Fehlstellungen führe. Ganz klar: Je weniger Bänder, Sehnen und Muskeln belastet werden, desto mehr bilden sie sich zurück – das gilt für die Füße ebenso wie für andere Körperregionen.
Propriozeption – unser sechster Sinn
Unerwünschte Nebenwirkung des Schuhetragens ist also die Degeneration der Fußmuskulatur sowie des Tastsinns der Füße. Deren Oberflächensensibilität, also deren Fähigkeit, mechanische, thermische und Schmerzreize über die Hautrezeptoren wahrzunehmen, ist infolge der Dämmschicht reduziert. Druck, Berührung, Vibration, Temperatur oder Schmerz kommen bei den Hautrezeptoren der Füße erst gar nicht an. Taktile Wahrnehmung findet mangels Berührungspunkten kaum statt.
Wie Schuhe unsere Eigenwahrnehmung und das Körperbewusstsein beeinflussen

Doch nicht nur die Außenwahrnehmung der Füße, die so genannte Exterozeption, ist durch das Tragen von Schuhen gestört, auch die Eigenwahrnehmung oder Propriozeption leidet unter der „Zwangsjacke Schuh“. Der Begriff Propriozeption bezeichnet, was oft auch der sechste Sinn genannt wird: unseren Sinn für Orientierung und Position im Raum sowie für die Stellung einzelner Körperteile zueinander. Mithilfe dieser Eigenempfindung sind wir in der Lage, uns ohne nachzudenken und ohne das Gleichgewicht zu verlieren, im Raum zu bewegen.
Das propriozeptive System sorgt dafür, dass wir ein Körperbewusstsein haben und informiert das Gehirn über unsere physische Umgebung mithilfe der in den Muskeln, Gelenken und in der Haut befindlichen Dehn- und Druck-Rezeptoren. Anhand dieser Informationen entscheidet die Steuerzentrale Gehirn, wie wir mit der Umwelt kommunizieren und umgehen. Wie gut oder schlecht unsere Eigenwahrnehmung funktioniert, hängt also ganz davon ab, wie gut das Feedback der Umwelt uns erreicht.
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